AfD-Wahlergebnisse in der Stadt Düren: Vergleich mit den anderen Parteien

Die 10 Milieus und das AfD-Ergebnis - in den Ländern und im Kreis Düren
AfD-Wahlergebnisse in der Stadt Düren: Hochburgen und Schwachpunkte

Woran liegt es, wenn die AfD in dem einen Stimmbezirk hervorragend und in dem anderen eher suboptimal abschneidet? Wo genau sich die AfD-Hochburgen befinden, wurde in einem eigenen Beitrag erörtert. Hier sollen nun die AfD-Wahlergebnisse in der Stadt Düren auf Stimmbezirksebene (hier die komplette Tabelle) mit den Ergebnissen der anderen Parteien verglichen werden.  Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisse aller sechs Bundestagsparteien (die Stimmbezirke wurden nach dem AfD-Ergebnis sortiert). Zusätzlich sind auch Trendlinien eingezeichnet.

Demnach sind die Ergebnisse der AfD mit denen von CDU, FDP und Grünen antikorreliert: Je weniger Stimmen für diese Parteien im jeweiligen Stimmbezirk abgegeben wurden, umso mehr für die AfD.  Für SPD und Linke gilt das Gegenteil: Dort, wo diese Parteien am besten abschneiden, holte auch die AfD ihre besten Ergebnisse. In den Hochburgen der AfD liegt die SPD typischerweise vor der CDU, die AfD etwa halbwegs zwischen CDU und Linken, diese wiederum vor oder gleichauf mit der FDP, und beide zumeist vor den Grünen.  Dort, wo die AfD den wenigsten Zuspruch hatte, liegt die CDU häufiger (aber nicht überall) vor der SPD, und die übrigen Parteien folgen mit deutlichem Abstand zumeist in der Reihenfolge FDP-AfD-Grüne-Linke.

Zur weiteren Analyse, insbesondere zum Vergleich mit früheren Wahlen,  wurden Korrelationskoeffizienten zwischen den Ergebnissen der AfD und anderer Parteien berechnet. Neben den bereits dargestellten Parteien wurde auch die Korrelation mit der Wahlbeteiligung, der Piratenpartei sowie BfD und Freie Liste (nur Stadtratswahl 2014) und ARMINIUS-Bund (nur Kreistagswahl 2014) untersucht.  Zu verstehen sind die Koeffizienten, welche Werte zwischen -1 und 1 annehmen können, wie folgt:

  • 1: perfekter linearer Zusammenhang: je besser die AfD im jeweiligen Stimmbezirk, umso besser auch die andere Partei.
  • 0: überhaupt kein Zusammenhang.
  • -1: wiederum ein perfekter linearer Zusammenhang, aber in die andere Richtung: je besser die AfD im jeweiligen Stimmbezirk, umso schlechter die andere Partei.

Zur Bundestagswahl 2013 und auch zur Europawahl 2014 waren die Zusammenhänge zwischen den Wahlergebnissen der AfD und anderer Parteien noch gering ausgeprägt: am deutlichsten war eine Antikorrelation zur FDP erkennbar. Damals lagen die absoluten Hochburgen der AfD noch überwiegend in den dörflichen Stadtteilen im Norden von Düren (Mariaweiler, Hoven, Arnoldsweiler, Merken), während sie in den Stimmbezirken der Kernstadt, egal ob CDU- oder SPD-dominiert, generell weniger Zuspruch erfuhr (wohl auch aufgrund eines zu geringen Bekannheitsgrads) .

Deutlichere Korrelationen ergaben sich bei den Stadt- und Kreistagswahlen 2014, obwohl diese am gleichen Tag wie die Europawahl stattfanden (deshalb alle drei in Blautönen gehalten). Bei Stadt- und Kreistagswahl wurden im Gegensatz zu allen anderen Wahlen die Briefwähler jedoch nicht in gesonderten Briefwahlbezirken zusammengefasst (welche in den Analysen nicht betrachtet wurden, da geographisch nicht zuordenbar), sondern den jeweiligen Wahlbezirken zugeschlagen (! nicht den Stimmbezirken, siehe Erläuterung ganz unten. Deswegen basiert die Korrelationsanalyse für diese beiden Wahlen auf den Wahlbezirken). Die Diskrepanzen zwischen Europawahl einerseits und den beiden Kommunalwahlen andererseits sind also eventuell dadurch zu erklären, dass  sich Briefwähler und Urnenwähler im Wahlverhalten unterscheiden. Aber auch zwischen Stadt- und Kreistagswahl bestehen noch einmal Diskrepanzen unbekannter Ursache. Der Extremfall: Bei den Kreistagswahlen betrug der Korrelationskoeffizient zwischen AfD und Grünen immerhin -0,50, bei den Europawahlen ergaben sich nur -0,22, und bei den Stadtratswahlen ist fast kein Zusammenhang (-0,06) zwischen den Ergebnissen von AfD und Grünen erkennbar. Auffallend ist auch die vergleichsweise hohe Korrelation (0,47) zwischen den Ergebnissen der AfD und des  ARMINIUS-Bundes, einer vor allem unter Russlanddeutschen verankerten rechtsgerichteten Kleinpartei (bestes Ergebnis 1,9% in Mariaweiler Ost, hier holte die AfD bei der selben Wahl mit 8,1% ihr siebt-bestes Ergebnis).

Zur Bürgermeisterwahl 2015 ergaben sich sehr deutliche Korrelationen:  -0,60 zur CDU, -0,40 zur Wahlbeteiligung, und immer noch 0,37 zur SPD (letztere unterstützt durch die übrigen Parteien der Ampel-Plus-Koalition).

Am ausgeprägtesten waren die Korrelationen aber bei der Landtagswahl 2017: -0,75 zur CDU, -0,61 zur Wahlbeteiligung, -0,55 zur FDP,  0,48 zu den Linken und immer noch 0,28 zur SPD. Nur zu den Ergebnissen der Grünen (-0,06) schien fast kein Zusammenhang zu bestehen.  Der Wähleranteil der AfD war also offenbar im Vergleich zu 2013 und 2014 überproportional in den Stimmbezirken gewachsen, welche weniger vom traditionellen CDU-Milieu geprägt sind, welche vermutlich aus sozialen Gründen, überproportional SPD und Linken zugeneigt sind, und wo auch das generelle politische Interesse geringer ist (deshalb die Antikorrelation mit der Wahlbeteiligung). Wo genau sich die Hochburgen der AfD nun befinden, wurde in diesem Beitrag dargelegt.

Zur Bundestagswahl 2017 verschwammen die Korrelationen zu den „Großen“ (und den Linken) wieder etwas: -0,63 zur CDU, -0,33 zur Wahlbeteiligung, 0,30 zu den Linken, 0,20 zur SPD, dafür ergab sich aber eine stärkere Antikorrelation (-0,60) zur FDP, und vor allem auch eine, wenn auch weniger ausgeprägte,  Antikorrelation zu den Grünen (-0,35).

Insgesamt lässt sich damit festhalten: Die Wählerschaft der AfD hat sich seit 2013 gewandelt. Nicht nur in ihrer absoluten Zahl (zur Bundestagswahl 2017 wählten 4.805 Dürener die AfD, das sind 2,7mal so viele wie 4 Jahre zuvor), sondern auch in ihrer sozialen Zusammensetzung.

Anm.: Die Stadt Düren ist in 25 Wahlbezirke unterteilt, und jeder Wahlbezirk nochmals in zwei oder drei Stimmbezirke. In jedem Stimmbezirken befindet sich ein Wahllokal. Bei Stadtratswahlen wird in jedem Wahlbezirk ein eigener Direktkandidat aufgestellt, bei Kreistagswahlen werden mehrere Stadt-Wahlbezirke zu Kreis-Wahlbezirken zusammengefasst (insgesamt 9 im Stadtgebiet von Düren), in welchen dann auch je ein Direktkandidat antritt.  Die Briefwähler des kompletten Stadt-Wahlbezirks werden allerdings einem ausgewählten Stimmbezirk im selben Wahlbezirk zugeteilt (von Ausnahmen abgesehen), d.h. die Ergebnisse dieses Stimmbezirks werden dann auch durch Briefwähler nicht nur aus dem eigenen, sondern auch aus den Nachbar-Stimmbezirken mitbestimmt. Bei allen übrigen Wahlen (auch den zeitgleich mit den Stadtrats- und Kreistagswahlen  am 20.5.14 stattfindenden Europawahlen ) wurden die Briefwähler in eigenen Stimmbezirken zusammengefasst, welche in dieser Analyse nicht berücksichtigt wurden, da geographisch nicht zuordenbar (d.h. das hier dargestellte Wahlverhalten in den Stimmbezirken wird ausschließlich durch die Wähler bestimmt, welche am Wahltag im Wahllokal wählten).

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AfD-Wahlergebnisse in der Stadt Düren: Hochburgen und Schwachpunkte

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